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Maiden 07.07.07 10:19

Maiden: Ein Gläschen australischer Sekt

Die Maiden hat Fair Isle gerundet

Freitag, 06. Juli: Fair Isle liegt um drei Uhr in der Frühe im Halbdunkel querab als massiger, grauer Fels; seine Konturen sind verwaschen, das Leuchtfeuer „Skroo Lighthouse“ zieht helle Spuren in die feuchte Luft.

Alle Crewmitglieder sind an Deck gekommen; manche rufen zu Hause an, andere hängen ihren Gedanken nach. Ich rufe über Kanal 16 die Küstenwache und gebe gemäß Segelanweisung die Rundung zu Protokoll. Es ist die nördliche Wendemarke unserer Regatta. Peter hat eine großmaßstäbliche Seekarte der Insel von 1972 dabei, so dass wir eine gewisse Vorstellung bekommen, wennschon in der Dämmerung Details der Insel kaum auszumachen sind. Wir feiern die Rundung mit einem Gläschen australischen Sekts, ein Geschenk von Mark und Helen in St. Michaels. Mark und Helen hatten MAIDEN von Portugal nach Annapolis überführt und uns das Boot in diesem kleinen Ort in der Chesapeake Bay formal übergeben.

Ein angesagtes und wetterbestimmendes Tief über Irland verschwindet von der Wetterkarte. Die folgenden Wettervorhersagen widersprechen sich; segeln wir halt und nehmen, was kommt! Anfangs ist dies Schwachwind aus Ost, der zum Nachmittag über Nord auf Nordwest dreht und stetig auffrischt. Die Mannschaft wechselt in der Folge einmal die Segel-Garderobe durch.

Der Spaß am Speed-Segeln nimmt zu, und mit den sich entwickelnden Wellen kommen wir gelegentlich ins Surfen. Müde und glückliche Gestalten kommen um Mitternacht von der Wache und grinsen breit: „geil!“. Kurze Zeit später das Ende für den 1,8oz-Spi: während einer Bö fliegt er krachend aus den Lieken (das bedeutet, dass das Spifall mit den beiden seitlichen Nähten des Spinnakers noch intakt ist, während die gesamte „Füllung“ darin nach vorn herausgerissen ist). Gottlob gelingt es, die Reste komplett zu bergen, so dass eine Reparatur  vergleichsweise einfach möglich sein wird. Da der Wind auf West gedreht hat und damit einen sehr spitzen Raumschotskurs ergibt, beschließen Cora und ich, statt des „Chicken Chute“ den Blast Reacher zu setzen. Damit setzen wir unsere Jagd durch die Nacht fort.

Heute gab es – neben dem Kreuzen des Null-Meridians – drei nennenswerte Naturbeobachtungen: Wir erhielten Besuch von einer Taube! Sie schien nicht allzu erschöpft, wollte kaum etwas picken oder trinken, sondern erkundete tapsend und flatternd das Boot vom Bug bis zum Heck, hüpfte dem einen oder anderen auf den Schoß oder Arm, umflog das Boot und setzte sich auf den Spinnaker, um dann in Richtung der nächsten Bohrinsel weiterzuziehen.

In 200m Entfernung war das Meer plötzlich in einem Durchmesser von sicher 200m aufgewühlt und kabbelig, und man sah Fische von 1m Länge weit herausspringen; aber kein spielerisches Herausspringen wie bei den Delphinen; dies sah nach einem Kampf aus, deren Gegner nicht erkennbar waren. Waren Haie oder Delphine auf der Jagd, und ihre Beute sprang dort in Todesangst aus dem Wasser?? Immerhin jagen Delphine wohl gemeinsam und planmäßig ihre Beute zusammen.

Delphine begleiten uns auch jetzt wieder durch die Nacht.

N 58° 10,6
E 001° 54,7


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